Digitale Ausstellungen haben Konjunktur. Ob es der 360-Grad-Rundgang durch die Dauerausstellung ist oder die scrollbare digitale Ausstellung (Digitorial, Expotizer), die virtuellen Präsentationen von Museen im Netz sprießen überall aus dem Boden. Was Museen dabei vielleicht nicht immer bewusst ist: Genauso wie in Objektportalen müssen auch bei digitalen Ausstellungen etwaige Urheberrechte von gezeigten Museumsobjekten beachtet werden. Wir möchten hier noch einmal kurz die wesentlichen Punkte zu diesem Thema umreißen. Anlass ist, dass wir unsere Handreichung zum Thema Urheber- und Nutzungsrechte im Museum auf den neuesten Stand gebracht haben. Hierin finden Sie auch viele weitere hilfreiche Literatur-Links zum Thema

Urheberrecht und Nutzungsrecht – was ist das eigentlich?

Zunächst möchten wir noch einmal die Bedeutung von zwei grundlegenden Begriffen klären: Urheberrecht und Nutzungsrecht. Das Urheberrecht entsteht bei der Schaffung eines Werkes. Es liegt immer beim „Urheber“ – also der Malerin*, Schriftstellerin*, Bildhauerin*, Grafikerin*, Designerin*, Musikerin* etc.. Das Urheberrecht kann zwar vererbt, aber nicht auf Dritte übertragen werden. Möchte jemand das Werk nutzen, kann die Inhaberin* des Urheberrechts demjenigen Nutzungsrechte einräumen – also z.B. die Erlaubnis, das Werk online zugänglich zu machen. Der Begriff Werk ist dabei heute sehr weit gefasst. Er betrifft nicht nur Exponate der bildenden Kunst und Fotos, sondern u.a. auch Postkarten, illustrierte Buchdeckel, Schriftgut, Töne, Videos usw.. Wichtig: Auch wenn das Museum (bzw. der Träger) Eigentümer eines Werkes ist, liegen die Urheber- und Nutzungsrechte oft ganz woanders!

Inventarisieren – ja! Digital zeigen – nur mit Nutzungsrecht!

Museen können nach dem „Gesetz zur Angleichung des Urheberrechts an die aktuellen Erfordernisse der Wissensgesellschaft“ urheberrechtlich geschützte Werke bedenkenlos digitalisieren, wenn es der Inventarisierung und Dokumentation des Bestandes dient. Auch in analogen Ausstellungen im Haus können die Werke gezeigt werden, ohne dass der Urheberrechtsschutz zum Tragen kommt. Bei digitalen Ausstellungen ist dies nicht ohne Weiteres möglich. Hier „verlässt“ das Werk nämlich das Museum, wofür das Nutzungsrecht eingeholt werden muss. Dies ist der Fall, wenn das Werk in der digitalen Ausstellung klar und eindeutig zu erkennen ist. Bei Digitorials ist dies in der Regel fraglos so. Aber auch bei 360-Grad-Ausstellungen können Nutzerinnen* ihren Blick meist frei schweifen lassen und Museumsobjekte separat betrachten.

Wann läuft der Urheberrechtsschutz ab? Und dann?

Stark verkürzt: Ist der Urheber oder die Urheberin mehr als 70 Jahre tot, ist das Werk in der Regel als gemeinfrei anzusehen. Es kann also frei im Internet gezeigt werden. Wie Sie grundsätzlich abschätzen können, ob dies für ein Werk zutrifft und was „verwaiste Werke“ sind, können Sie in unserer Handreichung nachlesen. Aber Vorsicht!: Lassen Sie ein Werk z.B. für Ihre digitale Ausstellung fotografieren, so entsteht ein neues Werk, das wiederum mit einem Schutz belegt ist. Hier gilt es, vorab mit dem Fotografen oder der Fotografin die Nutzungsrechte vertraglich zu regeln. Lasse Sie ein Werk scannen, entsteht kein neuer Urheberrechtschutz.

Online-Ausstellung „101 x Müllrose (1963-1983)“ des Heimatmuseums Müllrose bei museum-digital, © Heimatmuseum Müllrose [CC BY-NC]

Wie finde ich Schöpferinnen* eines Werks?

Es gibt viele Wege, nach dem Inhaber oder der Inhaberin eines Urheberrechts zu suchen. Geht es um Kunstwerke wie Gemälde, aber auch Fotos oder Filme mit künstlerischem Anspruch, sollten Sie auf jeden Fall zuerst in der Datenbank der VG Bildkunst recherchieren. Diese „Verwertungsgesellschaft“ ist von sehr vielen nationalen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern mit der Vertretung ihrer Urheberrechte beauftragt worden. Gegen eine festgelegte Gebühr können Sie bei der VG Bildkunst z.B. die Nutzungsrechte an einem Gemälde oder einem Foto erwerben, das Sie digital zeigen möchten. Daneben können Sie natürlich auch versuchen, direkt mit der Künstlerin/ dem Künstler in Kontakt zu treten und sich von ihr/ihm Nutzungsrechte übertragen lassen. Übrigens: Wenn Ihr Museum Mitglied im Deutschen Museumsbund ist, gewährt die VG Bildkunst 20 Prozent Nachlass auf die Nutzungsgebühr!

Wo vermerke ich Lizenzen und Rechtenachweise?

Urheber bzw. Rechteinhaber können die Verwertungsrechte ihrer Werke selbst freigeben. Das trifft z.B. auf viele Fotos in Wikipedia-Artikeln zu. Den Rahmen für die Freigabeoptionen bildet das Lizenzsystem der „Creative Commons“. Die Urheber bzw. Rechteinhaber können Dritten verschiedene urheberrechtliche Erlaubnisse für ihre Werke einräumen, z.B. das Recht, ein Bild für nichtkommerzielle Zwecke zu verwenden oder es nur unbearbeitet weiter zu verbreiten. Das heißt aber auch, zeigen Sie ein Werk in einer digitalen Präsentation, müssen Sie es mit der vereinbarten Lizenz versehen. In Digitorial ist dies recht einfach z.B. über eine Bildunterschrift möglich. Im besten Fall ist die Lizenz direkt in die Metadaten des Bildes eingeschrieben. Bei einem 360-Grad-Rundgang sind diese Optionen nicht immer vorhanden, bzw. man muss darauf achten, dass man zumindest über ein Mouseover oder anklickbar zu dem Bild ein Text inkl. Rechtenachweis hinzufügt ist. Auch Vermerke über Bildrechte im Impressum stellen eine Möglichkeit dar.

Online-Ausstellung „Kanope, Krokodil und Königsstuhl. Globale Geschichten in brandenburgischen Museen, © Museumsverband Brandenburg [CC BY-NC]

Und wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist?

Sollten Sie im Nachhinein feststellen, dass in Ihrer virtuellen Ausstellung ein geschütztes Werk gezeigt wird, sollten Sie schnell reagieren: Kontaktieren Sie den Urheber oder die Urheberin bzw. seine rechtliche Vertretung (Erben, VG-Bild), holen Sie die Nutzungsrechte ein und versehen Sie das Werk mit dem Rechtenachweis und ggf. mit der vereinbarten Lizenz. Sollte dies nicht möglich sein, bleibt nur noch eine Option: Nehmen Sie das Werk aus dem Internet. Bei 360-Grad-Ausstellungen ist dies nicht ohne weiteres möglich. Hier kann das Werk aber z.B. mit einem digitalen Schleier unkenntlich gemacht werden. Das ist zwar nicht schön, aber besser als sich Ärger wegen einer Urheberrechtsverletzung einzuholen.

Wenn Sie Fragen zu Urheber- und Nutzungsrechten oder zur Lizenzierung haben, sprechen Sie uns an.

Der Blogbeitrag ist Teil der Reihe „Brandenburgische Museen digital“ und wird redaktionell vom Museumsverband des Landes Brandenburg e.V. betreut. www.museen-brandenburg.de/aktivitaeten/projekte/digitalisierung/

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