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	<title>Kathrin Luber | museum-digital: blog</title>
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	<description>A blog on museum-digital and the broader digitization of museum work.</description>
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	<title>Kathrin Luber | museum-digital: blog</title>
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		<title>„Von Revoluzzern &#038; Freiheitskämpfern – drei Tage im Mai und was darauf folgte&#8230;“</title>
		<link>https://blog.museum-digital.org/de/2022/04/06/von-revoluzzern-und-freiheitskaempfern/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kathrin Luber]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Apr 2022 13:14:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
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		<category><![CDATA[Stadtmuseum Bad Dürkheim]]></category>
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					<description><![CDATA[<!-- wp:paragraph -->
<p>Im Rahmen einer Förderung durch das Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration des Landes Rheinland-Pfalz war es dem Stadtmuseum Bad Dürkheim in Zusammenarbeit mit der Museumsgesellschaft möglich einen bedeutenden Bestand seiner Sammlung „Biedermeier – zwischen Restauration, Hambacher Fest und Vormärz“<strong> </strong>umfassend aufzuarbeiten und in Museum Digital zu veröffentlichen. Die Sammlung stellt eine wertvolle Quelle für die Ereignisse rund um das Hambacher Fest dar.</p>
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<p>Eingebettet in die historischen Ereignisse der Eroberung der Pfalz durch französische Revolutionstruppen 1792, der zeitweisen Zugehörigkeit zu Frankreich und der folgenden Eingliederung in das Königreich Bayern werden im Stadtmuseum Bad Dürkheim die Vorgänge in Dürkheim rund um das Hambacher Fest bis zur Revolution 1848/49 als Schwerpunkt in der Dauerausstellung präsentiert. Zentrales Exponat ist die Dürkheimer Winzerfahne, mit der Bad Dürkheim über eines der symbolträchtigsten Zeugnisse zum Hambacher Fest verfügt.</p>
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<!-- wp:paragraph -->
<p>Anlässlich des 200. Jubiläums des Hambacher Festes im Jahr 2032 plant die Stadt eine Sonderausstellung zum Hambacher Fest und den Ereignissen in Dürkheim. Die Objekte der Sammlung „Biedermeier – zwischen Restauration, Hambacher Fest und Vormärz“ sollen in einem Begleitkatalog zur Ausstellung publiziert werden. Die digitale Inventarisierung der Objekte diente hierfür als bedeutende Vorarbeit.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
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<h2 class="wp-block-heading">Pilotprojekt Digitalisierung des Landes Rheinland-Pfalz: Digitalisierung der „Sammlung Biedermeier“<br>&gt;&gt; Stadtmuseum Bad Dürkheim &lt;&lt;</h2>



<p>Im Rahmen einer Förderung durch das Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration des Landes Rheinland-Pfalz war es dem Stadtmuseum Bad Dürkheim in Zusammenarbeit mit der Museumsgesellschaft möglich, einen bedeutenden Bestand seiner Sammlung „Biedermeier – zwischen Restauration, Hambacher Fest und Vormärz“<strong> </strong>umfassend aufzuarbeiten und in Museum Digital zu veröffentlichen. Die Sammlung stellt eine wertvolle Quelle für die Ereignisse rund um das Hambacher Fest dar.</p>



<p>Eingebettet in die historischen Ereignisse der Eroberung der Pfalz durch französische Revolutionstruppen 1792, der zeitweisen Zugehörigkeit zu Frankreich und der folgenden Eingliederung in das Königreich Bayern werden im Stadtmuseum Bad Dürkheim die Vorgänge in Dürkheim rund um das Hambacher Fest bis zur Revolution 1848/49 als Schwerpunkt in der Dauerausstellung präsentiert. Zentrales Exponat ist die „Dürkheimer Winzerfahne“, mit der Bad Dürkheim über eines der symbolträchtigsten Zeugnisse zum Hambacher Fest verfügt.</p>



<p>Anlässlich des 200. Jubiläums des Hambacher Festes im Jahr 2032 plant die Stadt eine Sonderausstellung zum Hambacher Fest und den Ereignissen in Dürkheim. Die Objekte der Sammlung „Biedermeier – zwischen Restauration, Hambacher Fest und Vormärz“ sollen in einem Begleitkatalog zur Ausstellung publiziert werden. Die digitale Inventarisierung der Objekte diente hierfür als bedeutende Vorarbeit.</p>



<p>In den letzten Jahren wurden angesichts aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen immer wieder Parallelen zum Biedermeier gezogen. Verschärft durch die Pandemie, fand der während des ersten Lockdowns 2020 entstandene Begriff des „Corona-Biedermeier“ (so Stephan Grünewald in einem Zeit-Interview vom 15. August 2020) regen Widerhall. Die Auseinandersetzung mit diesem Abschnitt der deutschen Geschichte ist insofern höchst aktuell.</p>



<p><em>Gefördert wurde das Projekt als Pilotprojekt Digitalisierung aus der Förderung für nichtstaatliche Museen der Landesregierung Rheinland-Pfalz.</em></p>



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<h3 class="wp-block-heading">ZUM STADTMUSEUM BAD DÜRKHEIM &amp; SEINER SAMMLUNG</h3>



<p>Als Kantonsvorort war Dürkheim zentraler historischer Schauplatz während der Ereignisse rund um das Hambacher Fest. Angefacht von der wirtschaftlichen Not der 1820er Jahre regte sich zunehmend Protest in der Bevölkerung gegenüber den bayerischen Behörden, deren verfehlte Zollpolitik unter anderem die Weinbauern zur Klage veranlasste, dass man zwar nichts zum Essen im Haus habe, dafür aber die Fässer im Keller voll Wein seien.</p>



<p>Im Dürkheimer Unternehmer und Weingutsbesitzer Johannes Fitz (1796–1868) fand man einen wortstarken Fürsprecher. Fitz, Mitglied des „Deutschen Preß- und Vaterlandsvereins“, hatte im Stadtrat als Adjunkt bereits konkrete Hilfen für die Ärmsten durchgesetzt. Als Mitorganisator des Hambacher Fests führte er den Zug der Dürkheimer Winzer aufs Hambacher Schloss an, wo Fitz in seiner Rede um Unterstützung der polnischen Flüchtlinge nach dem niedergeschlagenen Aufstand gegen den russische Zaren 1831 warb.</p>



<figure class="wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex">
<figure class="wp-block-image size-medium is-style-default"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="300" height="293" data-id="2061" src="https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2022/04/hambachfahne-fahne-die-weinbauern-muessen-trauren-1832-39266-3_web-300x293.jpg" alt="Hambach-Fahne; schwarze Fahne mit der Aufschrift: &quot;Die Weinbauren müssen trauren&quot;" class="wp-image-2061" srcset="https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2022/04/hambachfahne-fahne-die-weinbauern-muessen-trauren-1832-39266-3_web-300x293.jpg 300w, https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2022/04/hambachfahne-fahne-die-weinbauern-muessen-trauren-1832-39266-3_web.jpg 988w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-full is-style-default"><img decoding="async" width="798" height="798" data-id="2078" src="https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2022/04/hambacher-tuch_web.jpg" alt="Hambacher Taschentuch mit den Protagonisten der Bewegung am 27.05.1832" class="wp-image-2078" srcset="https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2022/04/hambacher-tuch_web.jpg 798w, https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2022/04/hambacher-tuch_web-300x300.jpg 300w, https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2022/04/hambacher-tuch_web-150x150.jpg 150w" sizes="(max-width: 798px) 100vw, 798px" /></figure>
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<p class="has-text-align-center has-small-font-size"><em><strong>Abb. 2</strong></em>: <em>Hambach-Fahne; schwarze&nbsp;Fahne&nbsp;mit der Aufschrift: &#8222;Die Weinbauren müssen trauren&#8220;. Aus mehrlagigem Stoff genäht; ehemals an einem Holzstab mit Reißzwecken befestigt; der Schaft des Holzstabes ist schwarz bemalt, die Spitze gedrechselt; an der Spitze ist eine schwarze gedrehte&nbsp;Kordel&nbsp;befestigt</em>.<br><em><strong>Abb. 3</strong>: Hambacher&nbsp;Taschentuch&nbsp;mit den Protagonisten der Bewegung am 27.05.1832. In der Mitte eine&nbsp;Kopie&nbsp;des bekannten Stiches mit der Darstellung des Zuges auf das Hambacher Schloß. Kreisförmig darum angeordnet 16 benannte Männerporträts. In den Ecken die Personifikationen von&nbsp;Gerechtigkeit&nbsp;(u. re.) &#8211; Weisheit (o. re.) – Tapferkeit (o. li.) &#8211;&nbsp;Besonnenheit&nbsp;(u. li.). Dargestellt sind bekannte Liberale der damaligen&nbsp;Zeit. Nicht alle von ihnen hatten am&nbsp;Hambacher Fest&nbsp;teilgenommen. Das&nbsp;Taschentuch&nbsp;ist in mehreren Exemplaren überliefert, eines davon heute im Hambacher Schloß.</em></p>



<p>Die Sammlung, auf die das Stadtmuseum zurückgreifen kann, geht zurück auf das Jahr 1872, dem Gründungsjahr des „Alterthumsvereins für den Kanton Dürkheim&#8220;, des ältesten Vereins dieser Art in der Pfalz. Die Bestände befinden sich größtenteils im Eigentum der Museumsgesellschaft Bad Dürkheim und setzen sich neben Ankäufen und Dauerleihgaben vor allem aus Schenkungen örtlicher Familien zusammen. Der Schwerpunkt liegt auf Exponaten zur Stadtgeschichte. Mit ihren rund 25.000 Objekten aus den Bereichen Archäologie, Bildende Kunst, Kunsthandwerk und Alltagskultur sowie Archivalien zur Stadt-, Wirtschafts- und Regionalgeschichte ist die Sammlung nach der des Historischen Museums der Pfalz Speyer eine der größten in der Pfalz.</p>



<p>Angesichts der Relevanz der Sammlung ist die Erstellung eines umfassenden Bestandskatalogs ein dringendes Desiderat. Voraussetzung ist die detaillierte Erfassung und Aufbereitung der Objekte nach wissenschaftlichen Kriterien. Bei der digitalen Inventarisierung stützt sich das Museum überwiegend auf ehrenamtliche Kräfte der Museumsgesellschaft sowie auf freiberufliche Mitarbeiter:innen. Inzwischen sind über das Datenbanksystem „museum-digital“ etwa 75 % der Bestände erfasst, insgesamt also 18.929 Objekte, davon sind wiederum 4.253 mit ausführlicher Beschreibung online zugänglich [Stand 03/2021].</p>



<p>Der Sammlungsbereich „Biedermeier – zwischen Restauration, Hambacher Fest und Vormärz“ umfasst zahlreiche Zeugnisse aus der Zeit rund um das Hambacher Fest: Flugblätter, Tageszeitungen sowie Souvenirs und Symbole des politischen Protests, darunter auch ein „Hambacher Tuch“ und die „Dürkheimer Winzerfahne“. Die Originaldokumente und -objekte stellen eine wertvolle Quelle für die Ereignisse rund um das Hambacher Fest dar und zeichnen auch die darauffolgenden Ereignisse bis zur Revolution 1848/49 nach.</p>



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<p class="has-text-align-center has-small-font-size"><em><strong>Abb. 4-6</strong></em>: Blätter aus einem Poesiealbum in Form einer buchförmigen Schatulle, um 1830: Die Schatulle enthält 52 lose Poesiebuchblätter, die von 1831 bis 1839 datiert werden können. Bei den Ortsangaben der Unterzeichnenden handelt es sich um umliegende Städte und Dörfer und um Bad Dürkheim selbst. Von links nach rechts: 1. Blatt 3: Rechts oben ist ein flötespielender&nbsp;Hirte&nbsp;mit Schafen und Hütehund dargestellt. Die Szene wird von zwei Laubbäumen eingerahmt. | 2. Blatt: „Wirth und Sieben Pfeifer lebe hoch“, 1 Seite; Neustadt, um 1832 | 3. Blatt 46: In die Mitte des beschrifteten Blattes ist ein abgeschnittenes Stück Stoffband in den Farben Schwarz &#8211; Gold &#8211; Rot geklebt.</p>



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<h3 class="wp-block-heading">ZUM INVENTARISIERUNGSPROJEKT: SAMMLUNG BIEDERMEIER</h3>



<p>Im Förderzeitraum 2021 konnte ein zusammenhängendes Konvolut aus 79 relevanten Sammlungsstücken aus dem Sammlungsbereich „Biedermeier – zwischen Restauration, Hambacher Fest und Vormärz“ aufgearbeitet und in Museum Digital vorgelegt werden.</p>



<p>Mit einer Fördersumme über 10.000 Euro wurden die zu Verfügung stehenden Mittel für die Bestandsaufnahme ergänzt und zusätzlich zu einer hauptamtlichen und einem ehrenamtlichen Mitarbeitenden vier freiberufliche Kräfte (1 Historiker:in, 2 Archäolog:innen, 1 Stadtführer:in) mit der Aufarbeitung des speziellen, historisch fest umrissenen Themenbereiches betraut. In diesem Rahmen wurde außerdem die Inventarisierung von Neuerwerbungen und die Aufarbeitung der Altinventarisierung nach den Maßstäben von „museum-digital“ einheitlich organisiert.</p>



<p>Den chronologischen Rahmen der inventarisierten Sammlung bildet die Zeit zwischen 1815 und 1848, deren politische, ökonomische und gesellschaftliche Veränderungen den Deutschen Bund und besonders die Pfalz nachhaltig geprägt haben. Die nach dem Wiener Kongress vorangetriebene politische Restauration brachte mit dem Biedermeier eine bürgerliche Strömung hervor, die durch den Rückzug ins Private und eine Hinwendung zu Kunst und Kultur charakterisiert war. Zugleich formierte sich eine liberale Opposition, die nach nationaler Einheit und Demokratie strebte und in der Rückschau die Epoche unter dem Begriff Vormärz definierte. Inmitten dieses Spannungsfeldes steht das Hambacher Fest von 1832 als herausragendes Ereignis deutscher Demokratiegeschichte.</p>



<p>Das Museum besitzt einen breit gefächerten Fundus an Gegenständen mit Bezug zum Hambacher Fest bzw. dem beschriebenen Zeitraum. Sie stehen beispielhaft für die Sachkultur des aufstrebenden deutschen Bildungsbürgertums, dessen Selbstverständnis sich in der Bildenden Kunst, der Wohnkultur und der Mode niederschlug, oder sind Sinnbilder für die oppositionelle Gedankenwelt ihrer Zeit. Einige Stücke sind von nationaler Relevanz. Die im Rahmen des Projekts zu erfassenden Bestände umfassten:</p>



<ul class="wp-block-list"><li>62 Objekte und Dokumente aus dem Umfeld des Hambacher Fests, darunter die sogenannte Winzerfahne, die neben der schwarz-rot-goldenen Fahne mit der Aufschrift „Deutschlands Wiedergeburt“ beim Festzug mitgeführt wurde und literarischen Niederschlag in zeitgenössischen Beschreibungen fand, daneben Flugblätter, Tageszeitungen sowie Souvenirs und andere Zeichen des politischen Protests, z.B. ein sogenanntes „Hambacher Tuch“.</li><li>12 Porträts, darunter Werke der beiden Maler Jakob Wilhelm und Carl Roux, die Bad Dürkheimer Persönlichkeiten zeigen, so den Ungsteiner Pfarrer Georg Philipp Friedrich Leopold und seine Familie, die enge Beziehungen zur Familie des Gelehrten, Dichters und Übersetzers Johann Heinrich Voß unterhielt.</li><li>Kleidungsstücke aus bisher nicht eingehend gesichteten Bestände an Textilien. Dabei handelt es sich vorwiegend um Frauenmode aus dem Besitz wohlhabender Dürkheimer Familien, die ab dem frühen 19. Jahrhundert von den neuen wirtschaftlichen Möglichkeiten profitierten und besonders im Weinbau erfolgreich waren.</li><li>Mobiliar, Inventar wie z.B. Gläser und sonstige Gegenstände.</li></ul>



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<figure class="wp-block-image size-full is-style-default"><img loading="lazy" decoding="async" width="1347" height="1898" data-id="2160" src="https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2022/04/hampelmann-reichsverweser-ferdinand-18481849-40174.jpg" alt="" class="wp-image-2160" srcset="https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2022/04/hampelmann-reichsverweser-ferdinand-18481849-40174.jpg 1347w, https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2022/04/hampelmann-reichsverweser-ferdinand-18481849-40174-213x300.jpg 213w, https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2022/04/hampelmann-reichsverweser-ferdinand-18481849-40174-727x1024.jpg 727w, https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2022/04/hampelmann-reichsverweser-ferdinand-18481849-40174-1090x1536.jpg 1090w" sizes="auto, (max-width: 1347px) 100vw, 1347px" /></figure>



<figure class="wp-block-image size-large is-style-default"><img loading="lazy" decoding="async" width="404" height="512" data-id="2161" src="https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2022/04/freischaerlerkappe_klein_web-1.jpg" alt="" class="wp-image-2161" srcset="https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2022/04/freischaerlerkappe_klein_web-1.jpg 404w, https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2022/04/freischaerlerkappe_klein_web-1-237x300.jpg 237w" sizes="auto, (max-width: 404px) 100vw, 404px" /></figure>
</figure>



<p class="has-text-align-center has-small-font-size"><em><strong>Abb. 7</strong>:  Hampelmann; „Reichsverweser Ferdinand“;&nbsp;Karikatur&nbsp;des Reichsverwesers Erzherzog Johann von&nbsp;Österreich.<br><strong>Abb. 8</strong>: Freischärlerkappe aus schwarzem&nbsp;Leder; mit&nbsp;Leder&nbsp;überzogenem Schild; rote&nbsp;Kordel&nbsp;am unteren Ende; mit schwarz-rot-goldener Kokarde; Schweißband aus braunem&nbsp;Leder; Innenfutter aus blauer&nbsp;Seide; 1849</em></p>



<p>Die Erfassung der Objekte erfolgte vor Ort sowohl in den Depoträumen der Museumsgesellschaft als auch in den Depoträumen des Stadtmuseums. Alle Objekte wurden hochauflösend fotografiert oder eingescannt. Im Rahmen des Projekts erfolgte außerdem eine vollständige Transkription der Flugblätter und Druckschriften mittels OCR-Systems (automatisierte Texterkennung) für Frakturschrift. Dies hat den Vorteil, dass die eingescannten Schriftdokumente über die Volltextsuche von museum-digital auch inhaltlich recherchierbar sind.</p>



<p>Nach der Aufarbeitung erfüllen alle Objekte den Qualitätsindex von museum-digital (d. h. „der Balken ist grün“). Sie sind durchweg mit Ereignissen, Schlagwörtern und weiterführenden Links versehen, so dass sich die Objekte auch einem Publikumskreis erschließen, der nicht mit der Materie vertraut ist. Zusammengehörige Objekte wie z. B. Schriftreihen wurden miteinander verlinkt. Dies erleichtert die Navigation zwischen den Objekten.</p>



<p>Neben der Erstellung eines Bestandskatalogs „Biedermeier – zwischen Restauration, Hambacher Fest und Vormärz“, der online abrufbar sein wird und Eingang findet in eine Publikation zum Thema „Bad Dürkheim und das Hambacher Fest 1832“, werden die generierten Daten per LIDO-Austauschformat an die Deutsche Digitale Bibliothek (DDB) weitergegeben und voraussichtlich im ersten Halbjahr 2022 veröffentlicht. Geplant ist außerdem eine entsprechende virtuelle Ausstellung mit dem Themator, in die das digitalisierte Sammlungskonvolut eingebunden sein wird.</p>



<p class="has-white-color has-cyan-bluish-gray-background-color has-text-color has-background" style="font-size:22px"><strong><a rel="noreferrer noopener" href="https://rlp.museum-digital.de/collection/719" target="_blank">Sammlung in Museum Digital einsehen</a></strong></p>



<p class="has-white-color has-cyan-bluish-gray-background-color has-text-color has-background" style="font-size:22px"><strong><a rel="noreferrer noopener" href="https://e1.pcloud.link/publink/show?code=XZ5ASFZgeuufl8D6gpSHScrnNsjxkonRPB7" data-type="page" target="_blank">PDF-Katalog „Sammlung Biedermeier“</a></strong></p>



<h3 class="wp-block-heading">RECHTE</h3>



<p><em><strong>Abb. 1</strong>: Erhard Joseph Brenzinger, Public Domain, via <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Zug-zum-hambacher-schloss_1-1200x825.jpg" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Wikimedia Commons</a><br><strong>Abb. 2</strong>: Stadtmuseum Bad Dürkheim, Museumsgesellschaft Bad Dürkheim e.V. / Stork, Karl</em> [<a rel="noreferrer noopener" href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/" target="_blank">CC BY-NC-SA</a>]<br><em><strong>Abb. 3</strong>: Stadtmuseum Bad Dürkheim im Kulturzentrum Haus Catoir / Gisela Michel</em> [<a rel="noreferrer noopener" href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/" target="_blank">CC BY-NC-SA</a><em>]</em><br><em><strong>Abb. 4</strong>: Museumsgesellschaft Bad Dürkheim e. V. / Hans-Günter Förster </em>[<a rel="noreferrer noopener" href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/" target="_blank">CC BY-NC-SA</a>]<em><a href="https://rlp.museum-digital.de/object/81520"></a><a href="https://rlp.museum-digital.de/singleimage?&amp;imagenr=138850"></a><a href="https://asset.museum-digital.org/rlp/images/102/81520-19320057050/stammbuch_um_1830_blatt_5/stammbuch-um-1830-blatt-50-81520.jpg"></a><br><strong>Abb. 5</strong>: Museumsgesellschaft Bad Dürkheim e. V. / Hans-Günter Förster </em>[<a rel="noreferrer noopener" href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/" target="_blank">CC BY-NC-SA</a>]<em><br><strong>Abb. 6</strong>: Stadtmuseum Bad Dürkheim im Kulturzentrum Haus Catoir / Gisela Michel</em> [<a rel="noreferrer noopener" href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/" target="_blank">CC BY-NC-SA</a>]<br><em><strong>Abb. 7: </strong><em>Stadtmuseum Bad Dürkheim, Museumsgesellschaft Bad Dürkheim e.V. / Stork, Karl</em> </em>[<a rel="noreferrer noopener" href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/" target="_blank">CC BY-NC-SA</a>]<em><strong><br>Abb. 8: </strong>Stadtmuseum Bad Dürkheim, Museumsgesellschaft Bad Dürkheim e.V. / Stork, Karl</em> [<a rel="noreferrer noopener" href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/" target="_blank">CC BY-NC-SA</a>]</p>



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<figure class="wp-block-image size-large is-resized is-style-default"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2022/04/RP_mehrfarbig_MFFKI-1024x534.jpg" alt="" class="wp-image-2197" width="256" height="134" srcset="https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2022/04/RP_mehrfarbig_MFFKI-1024x534.jpg 1024w, https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2022/04/RP_mehrfarbig_MFFKI-300x156.jpg 300w, https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2022/04/RP_mehrfarbig_MFFKI.jpg 1180w" sizes="auto, (max-width: 256px) 100vw, 256px" /></figure>
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		<title>Digitalisierungsprojekt des Historischen Museums der Pfalz, Speyer</title>
		<link>https://blog.museum-digital.org/de/2021/02/27/digitalisierungsprojekt-des-historischen-museums-der-pfalz-speyer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kathrin Luber]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 27 Feb 2021 15:20:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[musdb]]></category>
		<category><![CDATA[Projekte]]></category>
		<category><![CDATA[Rheinland-Pfalz]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Pfalz]]></category>
		<category><![CDATA[Speyer]]></category>
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					<description><![CDATA[In einem langfristigen Projekt werden Gemälde und Zeichnungen aus den Sammlungen des Historischen Museums der Pfalz in Speyer von Künstlern der Region mit Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz digitalisiert und der Öffentlichkeit über „museum-digital“ zur Verfügung gestellt. Worin liegt die Bedeutung dieser Maßnahme? von Wolfgang Leitmeyer, Abteilungsleiter Sammlungen Von der Relevanz alter Zeichnungen 27. Februar 2021. <a href="https://blog.museum-digital.org/de/2021/02/27/digitalisierungsprojekt-des-historischen-museums-der-pfalz-speyer/" class="more-link">...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p style="font-size:15px"><em>In einem langfristigen Projekt werden Gemälde und Zeichnungen aus den Sammlungen des Historischen Museums der Pfalz in Speyer von Künstlern der Region mit Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz digitalisiert und der Öffentlichkeit über „museum-digital“ zur Verfügung gestellt. Worin liegt die Bedeutung dieser Maßnahme?</em></p>



<p style="font-size:15px"><em>von Wolfgang Leitmeyer, Abteilungsleiter Sammlunge</em>n</p>



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<h2 class="wp-block-heading"><strong>Von der Relevanz alter Zeichnungen</strong></h2>



<p>27. Februar 2021. Die Pandemie ruft zum Jahresbeginn recht unerwartete Effekte hervor. Geschäfte, Restaurants, Museen, Ämter, Fitnessinstitute und viele andere Orte des öffentlichen Lebens bleiben geschlossen. Zugleich steigt der Absatz von Outdoor-Produkten im Internet… zum Beispiel von Wanderschuhen. Offenbar finden viele Menschen zurück zu den primären Fortbewegungsformen in der Natur. Was bleibt Ihnen auch übrig, die Museen haben schließlich noch immer geschlossen. Während der ersten Sonnentage haben die Seen, Flüsse, Wälder hohe Besuchsfrequenzen. In der Pfalz sind es die Burgen, der Pfälzerwald, die Weinanbaugebiete und die Rheinpromenaden, die zu Besuchen motivieren.</p>



<p>Vor fast genau 200 Jahren, im Mai 1821, wanderte auch der Künstler Friedrich Christian Reinermann von Burg zu Burg in der Pfalz. Er hatte allerdings keine Wahl. Die Überwindung auch großer Strecken zu Fuß war die geläufige Form der Fortbewegung für die ärmeren Schichten der Bevölkerung. Heinrich Jakob Fried, Jakob Wilhelm Roux, aber auch Peter Gayer, der erste Archivar der Pfalz – sie alle reisten in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts zu Fuß und hinterließen Zeichnungen von Orten, die viele von uns in den letzten Tagen vielleicht gerade besucht haben.</p>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2021/02/210227_7_BS_0002Elmstein-1.jpg" alt="" class="wp-image-1377" width="466" height="594"/><figcaption><em>[1] Burg und Ort Elmstein (Verbandsgemeinde Lambrecht) im Landkreis Bad Dürkheim</em></figcaption></figure></div>



<p>In den letzten 200 Jahren veränderte sich das Gesicht der Städte und Landschaften mehr als jemals zuvor. Fried, Roux, Reinermann und Gayer würden staunen, wenn sie ihre alten Wege nochmals gehen dürften. Umgekehrt fehlt uns heute ein genaues Bild der Welt, bevor es Joseph Nicéphore Niépce 1826 gelang, das allererste Foto aufzunehmen. Wir sind auf die Darstellungen von Künstlern angewiesen, um einen Zugang zu der Welt unserer Ururgroßmütter und Ururgroßväter zu finden. Wenn Sie sich fragen: „Wie hat sich der Ort, wo heute mein Haus steht, wo sich heute unser Marktplatz und vieles andere befindet, in den letzten 200 Jahren verändert?“, so kann Ihnen vielleicht der Blick in eine Datenbank wie „museum-digital“ weiterhelfen. Je mehr bildliche Zeugnisse verfügbar sind, desto mehr Nahrung wird Ihre Phantasie finden und vielleicht auch Ihre Neugierde.</p>



<div style="height:25px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Beispiel Speyer</strong></h2>



<p>Die Beseitigung der Stadtbefestigung und vieler Ruinen zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das Ergebnis eines langen und schmerzhaften Prozesses seit dem großen Stadtbrand von 1689. Die Maßnahmen veränderten das Gesicht der Stadt dauerhaft. Heute sind die Zeichnungen von Peter Gayer (1793–1836) häufig die einzig verfügbaren Quellen zu vielen architektonischen Zeugnissen der Stadt sowie der pfälzischen Geschichte. Darin liegt die Relevanz seiner Veduten für die Stadt, aber auch für die Region.</p>



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<figure class="wp-block-gallery columns-1 is-cropped wp-block-gallery-4 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex"><ul class="blocks-gallery-grid"><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="822" height="650" src="https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2021/02/1_BS_0027Kloster_zum_Heiligen_Grab_zu_Speyer-2.jpg" alt="" data-id="1383" data-link="https://blog.museum-digital.org/?attachment_id=1383" class="wp-image-1383" srcset="https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2021/02/1_BS_0027Kloster_zum_Heiligen_Grab_zu_Speyer-2.jpg 822w, https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2021/02/1_BS_0027Kloster_zum_Heiligen_Grab_zu_Speyer-2-300x237.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 822px) 100vw, 822px" /></figure></li></ul><figcaption class="blocks-gallery-caption"><em>[2] Die Klosterkirche des Klosters „Zum Heiligen Grab“ in Speyer</em></figcaption></figure>



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<h2 class="has-black-color has-text-color wp-block-heading"><strong>Peter Gayer und die Zeugen der Vergangenheit</strong></h2>



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<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p><span style="color:#000000" class="tadv-color">„Die alten Ruinen haben schon viel zu lange die Zugänge zu dieser Stadt verunstaltet und könnten wegen Steinschlags gefährlich werden. Das Terrain innerhalb dieser Gemäuer ist Lagerstätte für alles, was man sich vorstellen kann, das die Augen beleidigt und mit seinem Geruch die Passanten belästigt. Es erscheint mir, dass der Wert dieser Steine nicht nur für den Abriss, sondern auch für den Wiederaufbau von Häusern ausreicht.“</span></p><cite><span style="color:#000000" class="tadv-color">Quelle: „Verschönerung der Straßen der Stadt durch Entfernen der alten Gemäuer“, Archiv der Stadt Speyer Bestand 2 Nr. 163</span></cite></blockquote>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p>In Speyer begann um 1800 eine Zeitenwende: Die Stadt war nun eine Grenzstadt der Französischen Republik, das Arrondissement Spire gehörte zum neuen Département Mont-Tonnère. Die vorangestellten Zeilen des Unterpräfekten Edmond Marie Amable Verny stammen aus einem Memorandum an Georg Friedrich Hetzel vom 26. Juli 1809. Er offenbarte dem neuen Bürgermeister darin seine Gedanken zur Verschönerung der Stadt.</p>



<p>Verny kannte natürlich das Geheimnis der lästigen Gemäuer in Speyer, an welchen sein ästhetisches Empfinden Anstoß nahm: Am Pfingstdienstag, den 31. Mai 1689, abends um 18 Uhr, hatten die verbliebenen Einwohner der Freien Reichsstadt Speyer eine Apokalypse erlebt. Was der Dreißigjährige Krieg nicht vermocht hatte, geschah nun innerhalb von drei Tagen. Am 2. Juni lagen drei Stifte, fünf Klöster, acht Pfarrkirchen, 13 Kapellen, 14 Zunftstuben, 29 städtische Gebäude, 788 Bürgerhäuser sowie fast das gesamte Langhaus des Domes in Schutt und Asche – die Politik der verbrannten Erde hatte eine praktische Anwendung gefunden. Der Anspruch König Ludwigs XIV. auf linksrheinische Reichsterritorien provozierte einen Konflikt, der sich letztlich an den Streitigkeiten um das Erbe des Kurfürsten Karls II. von der Pfalz entzündete. Als Reaktion auf die vorrückenden Kräfte der Großen Wiener Allianz verwüsteten französische Truppen systematisch die Pfalz und angrenzende Gebiete. Zahlreiche Dörfer, Burgen, Festungen, Kirchen, aber auch ganze Städte wie Speyer, Worms, Mannheim und Heidelberg wurden zerstört.</p>



<p>Der Wiederaufbau Speyers vollzog sich schleppend, zumal die Stadt auf französischen Befehl bis zum Friedensschluss von Rijswijk im Jahr 1697 nicht bewohnt werden durfte. Noch siebzig Jahre später war ein Drittel der Stadt zerstört. Steinerne Relikte zeugten von der großen Vergangenheit Speyers, das auch wirtschaftlich am Boden lag. Immerhin erhoben sich im Jahr 1772 wieder 767 Wohngebäude, 32 kleine Häuschen und 124 Hütten, die Arme in den Ruinenstätten errichtet hatten.</p>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2021/02/210227_4_BS_0029Peterskirche_zu_Speyer.jpg" alt="" class="wp-image-1387" width="565" height="469" srcset="https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2021/02/210227_4_BS_0029Peterskirche_zu_Speyer.jpg 781w, https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2021/02/210227_4_BS_0029Peterskirche_zu_Speyer-300x250.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 565px) 100vw, 565px" /><figcaption><em>[3] St. Peter in Speyer</em></figcaption></figure></div>



<p>Der Anblick antiker Ruinen hatte schon mehr als zwei Jahrhunderte zuvor in Italien Humanisten und Künstler fasziniert. Auch in Speyer empfand man angesichts der zerfallenden Gemäuer zuweilen Begeisterung. Meistens waren es durchreisende Künstler und Literaten, die ihrer Freude an den Zeugnissen der Vergangenheit Ausdruck verliehen. In den „Briefen eines reisenden Franzosen über Deutschland“ rühmte Kaspar Risbeck 1783 die außerordentlich schönen Ruinen und die malerische Wirkung der zerstörten Stadt. Als Sophie de La Roche mit ihrer Familie 1780 nach Speyer zog, begeisterte sie ihren empfindsamen literarischen Zirkel für die Stadt. Es entstand der Plan, eine Mappe mit Kupferstichen und einigen Texten herauszugeben – eine Aufgabe, die der Landschaftsmaler und Zeichner Jean Francois Gout übernahm. Weitere Künstler wie Franz Stöber und Johannes Ruland folgen seinem Beispiel.</p>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2021/02/3_BS_0433Speyer_Retscherruine_und_Margaretenkapelle-1.jpg" alt="" class="wp-image-1386" width="571" height="458" srcset="https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2021/02/3_BS_0433Speyer_Retscherruine_und_Margaretenkapelle-1.jpg 808w, https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2021/02/3_BS_0433Speyer_Retscherruine_und_Margaretenkapelle-1-300x241.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 571px) 100vw, 571px" /><figcaption><em>[4] Retscherruine und Margarethenkapelle in Speyer</em></figcaption></figure></div>



<p>Mit dem Ende der französischen Zeit kam ab 1816 die bayerische Administration nach Speyer und mit ihr der Beamte Peter Gayer. Er trat seinen Dienst als zweiter Registrator bei der bayerischen Regierung des Rheinkreises an, seine Aufgabe war die Verwaltung des Schriftguts. Schriftzeugnisse zu bewahren und ihre Auffindbarkeit zu gewährleisten, gehörte zu seinen Kernaufgaben. Diese verantwortungsvolle Tätigkeit qualifizierte ihn bereits im Jahr 1820 zur Übernahme der Leitung des neu entstandenen Kreisarchivs. Das Interesse an der Geschichte lag durchaus im Trend der Zeit. Nachdem Freiherr vom Stein 1819 den ersten Historischen Verein ins Leben gerufen hatte, war es König Ludwig I. von Bayern selbst, der die Spitzen des Staates und der Gesellschaft 1827 zur aktiven Beschäftigung mit der Kultur der Vergangenheit aufrief. Selbstredend war Gayer zwei Mal, 1827 und 1834, Gründungsmitglied des Historischen Vereins der Pfalz. Die Rückbesinnung der Bürger, die sich seit vielen Jahren mit der Beseitigung von Ruinen beschäftigt hatten, auf die große Vergangenheit der Reichs- und Kaiserstadt lag auf der Hand. Die Städte als Spiegelbild bürgerlichen Selbstbewusstseins begannen sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts weit mehr zu verändern, als je zuvor. Man benötigte Platz für eine schnell zunehmende Einwohnerschaft, für Manufakturen, später für Fabriken, für Straßen, für eine verbesserte Infrastruktur und für Mobilität. Die Stadtbewohner kultivierten durchaus ein gewisses Interesse an der Vergangenheit, entledigten sich zugleich aber auch der alten Zeugnisse, wenn sie ihren Interessen entgegenstanden, ohne darin einen Konflikt zu sehen. Ein Beispiel dafür mag der Abriss der Ruine von St. Nikolaus nördlich des Domes im Jahr 1825 sein, an deren Stelle im folgenden Jahr die Antikenhalle erbaut wurde, deren einziger Zweck in der Erhaltung und Pflege von Zeugnissen der Vergangenheit – in diesem Fall von römischen Bodenfunden – bestand.</p>



<p>Möglicherweise war der Archivar Gayer nicht erfreut von den radikalen Veränderungen, die sich ringsum in Speyer vollzogen. Immerhin wurden zwischen 1819 und 1826 große Teile der Stadtbefestigung, die Ruinen vieler Kirchen, Klöster und Profanbauten beseitigt. So machte er es sich zur Aufgabe, das verschwindende architektonische Kulturgut der Pfalz in zahlreichen Veduten-Zeichnungen, ganz im Sinne der romantischen Kunst seiner Zeit, zu dokumentieren. Seine favorisierte Technik war die Bleistiftskizze, vor allem aber die Federzeichnung, die er mit Pinsel und Sepia – dem transparenten Farbstoff aus dem Sekret der Tintenfische – übermalte. Gayer interessierte sich nicht nur für Speyerer „Gemäuer“, sondern bereiste auch viele Orte der Region. Systematisch trug er präzise Ansichten von Burgen- und Kirchenruinen der Pfalz zusammen. </p>



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<div class="wp-block-image"><figure class="aligncenter size-large is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2021/02/210227_8_BS_0032Amanduskirche_zu_Worms-1.jpg" alt="" class="wp-image-1391" width="485" height="383"/><figcaption><em>[6] St. Amandus Worms</em></figcaption></figure></div>



<figure class="wp-block-gallery columns-2 is-cropped wp-block-gallery-5 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex"><ul class="blocks-gallery-grid"><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="817" height="650" src="https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2021/02/210227_5_BS_0023Burgruine-Scharfeneck.jpg" alt="" data-id="1374" class="wp-image-1374" srcset="https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2021/02/210227_5_BS_0023Burgruine-Scharfeneck.jpg 817w, https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2021/02/210227_5_BS_0023Burgruine-Scharfeneck-300x239.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 817px) 100vw, 817px" /></figure></li><li class="blocks-gallery-item"><figure><img loading="lazy" decoding="async" width="777" height="650" src="https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2021/02/210227_6_BS_0011Burgruine_Graevenstein.jpg" alt="" data-id="1375" data-link="https://blog.museum-digital.org/?attachment_id=1375" class="wp-image-1375" srcset="https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2021/02/210227_6_BS_0011Burgruine_Graevenstein.jpg 777w, https://blog.museum-digital.org/wp-content/uploads/2021/02/210227_6_BS_0011Burgruine_Graevenstein-300x251.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 777px) 100vw, 777px" /></figure></li></ul><figcaption class="blocks-gallery-caption"><em>[7] Die Burgruine Neuscharfeneck bei Ramberg, [8] Die Burgruine Grävenstein bei Merzalben</em></figcaption></figure>



<div style="height:20px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<p>Die figürliche Staffage, die auf kaum einem seiner Werke fehlen durfte, zeigt dabei häufig Menschen aus ärmeren Bevölkerungsschichten. Landarbeiter, Wäscherinnen, Handwerker und viele andere Gestalten bilden ein belebendes Element seiner Darstellungen. Nur wenige Jahre vor der Erfindung der Fotografie wurde er zum aufmerksamen Beobachter und Dokumentar zahlreicher Architekturzeugnissen der Pfalz, die nach und nach verschwanden oder baulich verändert wurden. Eines der Ziele seines kurzen Lebens hat Gayer – er verstarb im Alter von nur 43 Jahren in Speyer – sicherlich erreicht: Seine Zeichnungen bewahren viele architektonische Zeugnisse der pfälzischen Geschichte für die Nachwelt.</p>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<hr class="wp-block-separator"/>



<div style="height:10px" aria-hidden="true" class="wp-block-spacer"></div>



<h3 class="has-medium-font-size wp-block-heading"><strong>Sepiazeichnungen von Peter Gayer im Bestand des Historischen Museums der Pfalz (Auswahl)</strong></h3>



<ol class="wp-block-list"><li>Burg und Ort Elmstein (Verbandsgemeinde Lambrecht) im Landkreis Bad Dürkheim</li><li>Die Klosterkirche des Klosters „Zum Heiligen Grab“ in Speyer</li><li>St. Peter in Speyer</li><li>Retscherruine und Margarethenkapelle in Speyer</li><li>Die Ruinen von Nikolauskapelle und Domstaffelturm in Speyer</li><li>St. Amandus in Worms</li><li>Die Burgruine Neuscharfeneck bei Ramberg</li><li>Die Burgruine Grävenstein bei Merzalben</li></ol>



<p style="font-size:15px"><em>Fotografen: Peter Haag-Kirchner und die Ehrenamtsgruppe des Historischen Museums der Pfalz.</em> <em>Rechtestatus: <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de/" data-type="URL" data-id="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">CC-BY-NC-ND</a>.</em></p>



<p></p>
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