Die Entwicklung Weißwassers ist aufs Engste mit der Glasindustrie verwoben. Als 1866/67 die Bahnstrecke Berlin-Görlitz eröffnet wurde, war der kleine Flecken in der Standesherrschaft Muskau plötzlich mit dem ganzen Land verbunden. Da zudem in der nahen Umgebung Ton, Quarzsand, Holz und Kohle – die natürlichen Ressourcen für die Glasproduktion – zur Verfügung standen, begann man die Herstellung in Weißwasser anzusiedeln. Binnen einer Generation entstanden elf Glashütten und fünf Glasraffinerien. Um 1900 waren etwa 75 % der Einwohner in der Glasindustrie beschäftigt. Aus dem ehemaligen Dorf wurde binnen kurzer Zeit das europäische Zentrum der Glasherstellung.

Heute produziert lediglich noch ein Unternehmen Glas. Der Großteil der Hütten schloss in der Nachwendezeit. So entstand der Wunsch, das Wissen über die Glasherstellung zu bewahren und die Geschichte der Weißwasseraner Glasproduktion zu dokumentieren. Durch das Engagement des 1993 gegründeten Fördervereins konnte eine umfangreiche Sammlung an Gläsern, Dokumenten und Werkzeugen zusammengestellt werden und 1996 das „Glasmuseum Weißwasser“ in der früheren Villa der Unternehmerfamilie Gelsdorf eröffnet werden.
Zu sehen ist hier Lausitzer Glas des 19. und 20. Jahrhunderts mit einem Sammlungsschwerpunkt zu Prof. Wilhelm Wagenfeld (1900-1990) und den Designern der „Werkstatt für Glasgestaltung“, eine Sammlung von Diartet- und Arsallgläsern, sowie Glas für Wissenschaft und Technik. Ergänzt wird die Schau durch historische Werkplätze und Werkzeuge zu Glasherstellung, Glasverarbeitung und Glasveredelung.

Eine Abteilung des Glasmuseums Weißwasser widmet sich den sogenannten „Arsall“-Gläsern. Diese haben in einem speziellen Verfahren ein mehrfarbiges Dekor erhalten. Solche Gläser wurden ab 1918 in den Vereinigten Lausitzer Glaswerken Weißwasser (VLG) hergestellt, die die Warenbezeichnung „Arsall“ als geschütztes Warenzeichen eintragen ließen. „Arsall“ setzt sich aus den Wörtern Ars (lat. Kunst) und allemande (franz. deutsch) zusammen.

Hergestellt wurden diese Gläser aus einem meist mehrfach farbig überfangenen Glas, bei dem das gewünschte Motiv durch Säure herausgeätzt wird. Der Glaskörper wurde mit zwei dünneren Schichten farbigen Glases überzogen, auf die dann mit dem Pinsel das Motiv mittels eines säurefesten Lacks manuell aufgetragen wurde. Die bemalten Gläser kamen dann für 1 bis 2 Stunden in ein Ätzbad aus einer Kombination von Fluss- und Schwefelsäure, wobei die unbemalten Flächen teilweise abgeätzt wurden. Anschließend entfernte man den Lack im heißen Wasserbad und die gewollten Motive traten hervor. Dieser Vorgang wurde je nach gewünschtem Motiv und angestrebter Farbnuance wiederholt.

In der Herstellungstechnik, wie auch in der Wahl der Motive, lehnten sich die Arsall-Gläser an die Arbeiten des französischen Glasdesigners Émile Gallés (1846-1904) an. Dieser entwickelte in der Hochzeit des Jugendstils die beschriebene Technik. Mit den zugewanderten Glaskünstlern Nicolas Rigot und seinen drei Schwägern hielt diese Technik 1918 auch in Weißwasser Einzug. Rigot stammte aus Elsass-Lothringen und wurde dort mit der Technik vertraut. Unter seiner Leitung entstand in der VLG eine eigene Abteilung für Arsall-Gläser. Hier produzierte man in erster Linie Vasen, aber auch Lampen und Kelchgläser. Wie bei den Gläsern Émile Gallés diente die heimische Flora als wichtigste Dekorvorlage; gelegentlich wurden auch heimische Landschaftsmotive verwendet.
Mit der Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren und dem Geschmackswandel – der Jugendstil wurde von neuen Gestaltungsideen wie dem Deutschen Werkbund abgelöst -, ging die Nachfrage nach Arsall-Gläsern zurück. 1929 stellten die Vereinigten Lausitzer Glaswerke deren Produktion ein.

2018 begann die digitale Inventarisierung des Sammlungsbestands am Glasmuseum. Die Arsall-Gläser waren das erste Konvolut das, mit der Unterstützung zweier Studentinnen der HTWK Leipzig, in die Datenbank Faust eingepflegt wurde.
Es lag nahe die Teilnahme an museum-digital mit diesem Teil der Sammlung zu beginnen.