„Halbzeit“ im Projekt zur Erfassung und Digitalisierung historischer Bekleidung
Nach dem erfolgreichen Start im Juli in Genthin haben die Restauratorin Hannelore Hogger und die Historikerin Corrie Leitz im Auftrag des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt inzwischen auch die Bestände der Museen in Tangermünde, Osterburg, Havelberg und Stendal im wahrsten Sinne des Wortes „unter die Lupe“ genommen.
Während der Tangermünder Bestand überschaubar war und im Rahmen der geplanten Woche vollständig gesichtet und größtenteils bearbeitet werden konnte, reichte die wiederum eine Woche, in welcher die Bekleidungsbestände der Museen Osterburg, Havelberg und Stendal zu bearbeiten waren, keinesfalls aus, um überhaupt nur alle Untergruppen der jeweiligen Sammlungen zur historischen Bekleidung in Augenschein zu nehmen oder gar zu bearbeiten. - Letztere drei Museen sind in einer Arbeitsgemeinschaft der Museen des Landkreises Stendal zusammengeschlossen und beteiligten sich daher gemeinsam als eine Station am Projekt.
Daher entschlossen sich die Bearbeiterinnen, aus diesen Museen vor allem solche Objekte auszuwählen und genauer zu untersuchen, welche jeweils eine in sich relativ geschlossene, zeitlich und inhaltlich eingrenzbare Gruppe bildeten.
So verfügt das Kreismuseum Osterburg über einen interessanten Bestand von Kleidung und zugehörigen Accessoires aus der Mitte der 1940er Jahre, d. h. der Endphase des Zweiten Weltkrieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit.
Aus Havelberg erschien in Korrespondenz zum Genthiner Bestand eine Gruppe von Damenkleidern aus dem ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert interessant, zumal hier erstmals bei den zweiteiligen Kleidern teils auch die zugehörigen Röcke präsent waren, welche sonst fast immer fehlen, da sie oftmals zu anderen Textilien umgearbeitet wurden.
In Stendal, wo ein besonders umfangreicher und bereits um die Mitte des 18. Jahrhunderts einsetzender Bestand an historischer Bekleidung vorhanden ist, wurde eine Gruppe von Kleidungsstücken ausgewählt, welche aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts stammt und dem gut situierten Stadtbürgertum und der bäuerlichen Oberschicht zuzuordnen ist. Dazu gehören fein gearbeitete seidene oder baumwollene Herrenwesten, eine Herrenjacke und ein kompletter Anzug (18. Jh.) ebenso wie seidene oder wollene Kleider, Schürzen oder auch ein besonders gut erhaltenes Mieder aus dem 18. Jahrhundert. Demgegenüber konnte der gesamte Bestand aus dem Bereich der Tracht – z. B. mehrere Dutzend Hauben sowie andere interessante Objektgruppen wie etwa zehn Freimaurerschürzen oder ein größerer Bestand an historischer Puppen- oder Modellkleidung in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht gesichtet werden.
In Tangermünde waren vor allem drei helle und eine schwarze Herrenwesten aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, sämtlich sehr schön und sorgfältig gearbeitet, bemerkenswert. Daneben sind ein Damenmantel und ein reich verziertes Samt-Cape (beide um 1900) sowie mehrere zeitgleiche Oberteile von Damenkleidern erwähnenswert, allesamt zeitlich passend zu den Stücken aus der Genthiner Sammlung. Ein außergewöhnliches Stück bildet ein vermutlich aus dem 15. Jahrhundert stammender Pluvialebesatz, welcher allerdings stark geschädigt und nicht mehr restaurierungswürdig oder gar ausstellungsfähig ist. Auf seiner Rückseite wurden Fragmente historischer Schriftstücke als Steifung verwendet, bei welchen es sich möglicherweise um liturgische Texte handelt.
Bereits in der kommenden Woche steht mit dem Danneil-Museum in Salzwedel die älteste der altmärkischen musealen Sammlungen auf dem Programm, bevor es dann Mitte Oktober zur letzten Station in das Freilichtmuseum Diesdorf geht.