Ein Arbeitstag an unserer Reproanlage beginnt mit dem Einschalten der Scheinwerfer: Sie brauchen ca. 15 min., bis sie ihre volle Leistung erreicht haben und man anfangen kann zu arbeiten. Diese Zeit nutzen wir für Sortierarbeiten, Kaffee kochen, Wasser des Entfeuchters herunterbringen oder Ordner und Dateien vom Vortag überprüfen.
Mit der Aktualisierung des Datums, das neben dem Copyrightvermerk der Institution in die Metadaten jedes Bildes geschrieben wird, fängt die Arbeit am Computer und in der Scansoftware an. Wir hätten gern noch mehr Metadaten geschrieben, aber die Inventarnummer im Dateinamen, das Datum und der Copyrighthinweis genügen, weil die restlichen Informationen in der Objektverwaltungssoftware (MuseumPlus von der Firma Zetcom) enthalten sind und auf diese Weise mit den Bildern verknüpft sind.
Danach erfolgt jeden Tag neu die Ausleuchtungskorrektur: Die Anlage ist ein in sich geschlossenes System. Die Scansoftware gleicht mit der so genannten Ausleuchtungskorrektur einerseits die in geringfügigem Maß sich verändernde Lichtstärke der Scheinwerfer, die altern, aus. Vor allem aber gleicht sie in einem Rechenprozess die ungleichmäßig auf den Reprotisch fallende Lichtmenge aus. Die Scheinwerfer, die beide auf die Mitte des Tisches gerichtet sind, addieren in der Mitte ihr Licht, das zu den Rändern abfällt. Ein Objekt würde also in der Mitte stärker beleuchtet als weiter außen, und dies wäre auf der Aufnahme auch so zu sehen. Außerdem wirft die Kamera, wenn sie tief steht, einen gewissen Schatten. Diese Ungleichmäßigkeiten gleicht die Ausleuchtungskorrektur innerhalb der Scansoftware aus.
(Dauer der Ausleuchtungskorrektur als Rechenprozess mit Abspeichern und Verknüpfen: 5 min.)
Entweder täglich oder aber mindestens einmal in der Woche wird anschließend ein aktuelles ICC-Profil erstellt: Ein Colorchecker (hier x-Rite Digital Colorchecker SG) wird gescannt, anschließend in eine Profilierungssoftware geladen (hier i1Match). Einfach gesprochen: Der Colorchecker "sagt" der Software, wie sie fest definierte Farben innerhalb eines fest definierten Farbraums zu interpretieren hat. Damit wird eine (möglichst große) Farbtreue zum Original und eine geräteunabhängige Interpretation der Farben über alle Arbeitsprozesse hinweg bis zur Ausgabe im Druck oder am Bildschirm sichergestellt.
(Dauer: ca. 5 min.)
Danach kann es losgehen:
Wir arbeiten meistens zu zweit. Einer sitzt an der Scansoftware, der andere "legt auf" und erledigt nebenher mehrere Aufgaben wie z. B. die Rückseiten der Fotos auf einem Flachbett-Scanner aufnehmen, Datensätze in unserer Objektverwaltungssoftware MuseumPlus anlegen und Objektmaße in die Datenbank eintragen, einfache Datenbereinigungsarbeiten usw., je nachdem wie viel Zeit bleibt und was ansteht.
Ein Objekt, z. B. ein grafisches Blatt oder eine Photographie, wird auf
den Reprotisch aufgelegt. Hier ergibt sich eine Schwierigkeit, die recht
viel Zeit in Anspruch nimmt: Das 100%ige Geradelegen des Objektes unter
der Kamera. Zwar haben wir uns Schachbrettlinien gezogen und
Papierwinkel zum Anlegen der Kanten gemacht. Aber manchmal sind Drucke oder
Photographien schief auf das Blatt aufgebracht oder die Photographien
haben einen unregelmäßigen Rand, weil sie zum Beispiel mit der Schere
von Hand ausgeschnitten sind. Es gibt zum Teil auch bei den Kanten der
Darstellung auf dem Blatt keine Rechtwinkligkeit in sich, an der man
sich beim gerade Darunterlegen orientieren könnte! Dies macht das eine
oder andere Geraderücken notwendig.

Warum ist uns die Rechtwinkligkeit so wichtig?

Wir erzeugen mit der Scannerkamera recht hochwertige Bilddaten: Bei vollem
Bildausschnitt erzeugt die Kamera Dateien mit 8.000 x 13.000 Pixeln und
595 MB bei 48 Bit Farbtiefe RGB. Sie liefert eine maximale Auflösung von 104 Megapixeln im Vergleich zur (Ende 2011) größten Vollformatkamera
von Nikon, die D3X, die "nur" 24,5 Megapixel bringt. Auf unserem Grundbrett im Format A0 (84 x 118 cm) kann sie eine
Fläche von fast A0 abbilden (72 x 118 cm). Sie hat also ein etwas in die Länge gezogenes Format. Sie liefert bis zu einem
Format zwischen A1 und A0 noch 300dpi.
Die Qualität der hier erzeugten Daten wird voraussichtlich noch die
nächsten Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte ausreichen. Beim Geraderichten in einer Bildbearbeitungssoftware würden wir das
korrekte Umrechnen aller Bildpunkte der Software überlassen. Versuche
haben gezeigt, dass der Qualitätsverlust dabei mit bloßem Auge sichtbar
ist. Dieser Umstand hat dazu geführt, dass wir nicht das Blatt gerade
richten, sondern aus der freien Hand und mit geübtem Auge das auf dem
Blatt befindliche Motiv – sofern möglich.

Je besser derjenige, der das Blatt auflegt, ein Gefühl für die
Rechtwinkligkeit entwickelt, desto weniger halbminütige Prescans
benötigen wir, um gerade zu richten. Das Objekt ist schneller "im
Kasten" und aus dem Licht.

Aus Zeitgründen wird die ungeschärfte Aufnahme des Objektes (ca. 550MB
in TIFF), auch "Master" genannt, zunächst auf der lokalen Festplatte des
Computers gespeichert. Am Ende des Arbeitstages wird die gesamte
Tagesausbeute auf dem Server gespeichert und in der Nacht zur Sicherheit
auf einem weiteren Server gespiegelt. Wegen der großen Datenmengen hat sich eine sehr schnelle Netzwerkverbindung als vorteilhaft erwiesen.

Das Master kommt in einen Ordner mit der Inventarnummer und wird ebenfalls mit der Inventarnummer und dem Zusatz "a" für die Vorderseite dort gespeichert. Damit bei eventuellem Fehler in der Dateibezeichnung das Objekt weiterhin zugeordnet werden kann, ist die Inventarnummer neben dem Objekt mitgescannt. Zur Größenbestimmung ist außerdem ein Maßstab und zur Überprüfung von Farbfehlern eine Graukarte mit in das Bild gelegt. Diese "Nebeninformationen" liegen überwiegend im Unschärfebereich des Objektivs (ca. 2 cm) und nehmen dem Objekt daher nur wenig Auflösung weg. Weil das TIFF-Format sehr gut langzeitarchivierbar ist, werden alle Dateien, die auf lange Sicht erhalten werden sollen, im unkomprimierten TIFF-Format abgelegt. In einer Datenbank kann aber meistens nur ein JPG verwendet bzw. angezeigt werden, so dass entsprechende Derivate erzeugt werden müssen.
Nach dem Abspeichern des Masters: Die Scansoftware erlaubt, von demselben Scan eine weitere, beliebig geschärfte Variante abzuspeichern, die wir in denselben Ordner ablegen und als Ausgangsdatei für die hochaufgelöste JPG-Datei und die internet-optimierte JPG-Version (längste Seite 1.000 Pixel) verwenden. Diese beiden Dateien werden über einen Batch-Prozess erzeugt, indem man – sehr einfach – die zu skalierende Datei auf einem entsprechenden Icon ablegt. Dieses Hilfsmittel hat uns der IT-Experte der Moritzburg hergestellt.

Anschließend wird die Rückseite gescannt und in demselben Ordner unter dem Zusatz "b" abgespeichert: bei grafischen Blättern und Fotos mit Formaten über A4 von der Scan-Kamera, bei kleineren Fotoformaten von einem normalen A4-Flachbett-Scanner. Mit der Vorder- und Rückseite liegen dem Bearbeiter und Datenbank-Nutzern alle Bild-Informationen zum Objekt vor, so dass es nur noch zu Ausstellungen oder anderen seltenen Gelegenheiten hervorgeholt werden muss. Dies schont das Original erheblich und erleichtert gleichzeitig die Verfügbarkeit des Objektes.
In dem Objektordner können weitere Dateien abgelegt werden, z. B. die Scans der Karteikarten, die so zur Einführung der Datenbank archiviert werden, oder alte Aufnahmen des Objekts mit Vorzuständen.
Wir schaffen zu zweit an der Reproanlage einen Durchsatz von 30-50 Objekten in sechs Stunden (Vorder- und Rückseite). Dieser Wert ist abhängig davon, wie oft die Kamerahöhe verändert werden muss (incl. Ausleuchtungskorrektur 6 Min.), wie oft die Arbeitsabläufe, in die wir uns erst einarbeiten müssen, zum Beispiel bei Formatänderungen, angepasst werden müssen oder wie oft Räum- und Sortierarbeiten dazwischen geschoben werden müssen. Eine gute Ordnung und Organisation erweist sich als ganz besonders hilfreich und Zeit sparend! Auch allein kann man an der Anlage arbeiten: Man schafft 5-7 Objekte pro Stunde.
Zur Einstellung der Schärfe verwenden wir eine handelsübliche DIN A3-"Testkarte für Kameras und Objektive", mit 400 dpi gedruckt. Sie enthält mehrere Siemenssterne, mit denen man auch unter anderem vor Inbetriebnahme der Anlage die Schärfe und Verzerrung des Objektivs über die ganze Aufnahmefläche überprüfen kann. Den Umschärferand des Objektivs haben wir mit Millimeterpapier, das wir gescannt haben, herausbekommen.
Hilfsmittel rund um die Reproanlage sind zum einen Handschuhe, die die Blätter vor Fingerabdrücken und Schmutz (Fett und Handschweiß) schützen (2x die Woche wechseln). Die Inventarnummer-Beschriftung auf der Rückseite erfordert einen weichen Bleistift (5B). Der Pinsel dient zum Abbürsten der Fotooberfläche, damit nicht der Staub mitgescannt wird. In der Mitte sind die praktischen "Greifer" zu sehen: kleine Kartonstücke aus Archivpapier:
Hier sieht man den Einsatz der aus festem Papier oder Karton hergestellten "Greifer", mit denen man in Handschuhen die Blätter ohne Knicke oder Biegen von einer glatten Oberfläche hochheben kann. Grafiken brauchen zum Abdecken und Einschlagen Seidenpapier, während Photographien spezielles Foto-Archivierungspapier (z. B. Silversafe oder Monosafe) benötigen.
Die Originale liegen bei uns auch in der Nähe der Reproanlage vor Licht geschützt und sind jederzeit abgedeckt.
Für den Transport und die angemessene Verpackung haben wir Verpackungsmaterialien, Transportkisten und -mappen gekauft. Auspolstern kann man mit Luftpolsterfolie. Anlässlich der Digitalisierung sollten die Objekte nach dem gegenwärtigen Stand der Restaurierungswissenschaft verpackt werden, so dass sie anschließend so gut geschützt wie möglich im Depot lagern. Die Gelegenheit ist dazu so günstig wie kaum sonst: Die Objekte werden in großer Zahl herausgesucht, zur Digitalisierung transportiert, in die Datenbank eingegeben, die Maße eingetragen oder überprüft: Bei dieser Gelegenheit sollten die gegenwärtig zur Archivierung verwendeten Materialien überprüft, ersetzt und neu beschriftet werden. Leider haben die Mittel im Projekt nicht gereicht, dies in dem Maß vorzunehmen, wie es wünschenswert gewesen wäre. Wichtig sind auch großflächige Tische als Ordnungs- und Rangieroberflächen sowie viel Ablageflächen für Kisten und Mappen. Hier im Bild sehen Sie ein fahrbares Regal, einen Transportwagen, den einer unser Mitarbeiter dankenswerter Weise günstig bei ebay gefunden hat.
Wir haben für den  Digitalisierungsraum einen Klimaschreiber aus dem Bestand der Moritzburg bekommen, damit die Temperatur oder die Luftfeuchtigkeit überprüft werden kann.

Seitdem mit Beginn des Sommers die Luftfeuchtigkeit zu hoch wurde, regeln zwei Entfeuchter sie auf ca. 55 % herunter.
Oberste Priorität bei allen Handlungen der Digitalisierung ist der Schutz der Kunstwerke, z. B. vor zu viel Licht, mechanischen Schäden, aber auch vor umstürzenden Trinkflaschen oder Kaffeebechern!

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