Anlässlich eines Fragebogens, den das Kultusministerium von Sachsen-Anhalt 2014 an Museen des Landes ausgegeben hat, um den Stand der Digitalisierung zu ermitteln, haben wir uns einmal systematisch Gedanken gemacht, was eigentlich tatsächlich zu einer erfolgreichen Digitalisierung im Museum dazugehört. Dieser Blog ist gemeint als kleine Zusammenfassung und als Rückblick auf den zurückgelegten Weg. Sicherlich ist er geprägt von der Art des Museums: Das Kunstmuseum Moritzburg in Halle (Saale) ist ein Haus mit einem Schwerpunkt auf der Kunst des 19. bis 20. Jahrhunderts, mit sechs großen Sammlungsbereichen: Gemälde, Grafik, Plastik, Kunsthandwerk & Design, Photographie sowie das sachsen-anhaltinische Landesmünzkabinett (Münzen. Medaillen, Papiergeld).

Neben einer gewissen technischen Grundausstattung wie Kameras, Stativen, Scannern, Datenbanken und Ähnlichem benötigt man Personal mit zum Teil umfangreiche Kenntnissen aus recht unterschiedlichen Bereichen. Soweit ich weiß kann man diesen Bereich nicht studieren, sondern muss ihn sich derzeit noch selbst erarbeiten (auch wenn das Studium der Museologie sicherlich in diese Richtung geht, aber aus unserer Sicht nicht alles umfasst). Für gewöhnlich erarbeitet sich ein Wissenschaftler neue Wissensbereiche, ob es sich dabei um wissenschaftliche Themen handelt oder darum, wie ich eine professionelle Foto-Reproanlage benutze und diese bis hin zu den verwendeten Dateiformaten und Langzeitarchivierungsstrategien und einer Sicherung und Nachhaltigkeit des Arbeitsergebnisses durchdenke. Ein Wissenschaftler kennt sich darüber hinaus mit den wissenschaftlichen Informationen in der Datenbank aus. Zusätzlich braucht man jemanden, der sich in der professionellen Verwaltung und Verzeichnung einer Sammlung auskennt: Arbeitsabläufe, konservatorische Rahmenbedingungen, Lagerung, Sicherheit etc. bilden sich auch in der Datenbank ab. Für das Grundverständnis einer Datenbank und deren Bedürfnisse braucht es das technische Wissen bzw. ein entsprechendes Verständnis. Für die Erstellung von guten Abbildungen benötigt man Wissen über die konservatorischen Rahmenbedingungen für das fotografierte bzw. reproduzierte Material, damit es bei dieser Gelegenheit nicht beschädigt wird. Außerdem muss man die Digitalfotografie (immerhin ein voller Ausbildungsberuf bzw. ein Studium) und bei dieser insbesondere die Farbtreue (Colormanagement) beherrschen – eine Grundbedingung in einem Kunstmuseum. Dazu kommt die Kenntnis dessen, was mit der Onlinepublikation der Daten im Internet verbunden ist:
– die Referenzierung auf Normdaten und anderen Internetquellen, die in der Ausgangsdatenbank mitgedacht werden sollten (GND, VIAF, Wikipedia, spezielle oder allgemeine Thesauri zu unterschiedlichen Themen: ULAN, Geonames, TGN, AAT u. a.)
– Kenntnis und Beherrschen von LIDO, das ebenfalls günstigstenfalls in der hauseigenen Datenbank mitgedacht und einbezogen sein sollte
– eingehende Kenntnisse der rechtlichen Rahmenbedingungen sowohl intern als auch für die Onlinepublikation, insbesondere des Urheberrechts.
Grundbedingung und Basis einer effektiven Digitalisierung ist eine gut funktionierende und zu den Anforderungen der Digitalisierung passende IT-Struktur und IT-Betreuung im eigenen Haus.

Eine Datenbank ist etwas grundsätzlich anderes als eine Karteikarte, sie kann viel mehr, eröffnet eine neue Welt von Möglichkeiten. Wenn man sich eine Datenbank kauft, muss einem bewusst sein, dass man sich ein (meist) sehr leistungsfähiges Instrument anschafft, das man beherrschen muss, damit man es für sich nutzen und punktgenau einsetzen kann. Man muss es zunächst verstehen, seine Wirkungsmöglichkeiten, seine Defizite. Dann sollte man sich überlegen, wo die bisher erhobenen Informationen hinkommen sollen, damit sie später für die zu erwartenden Arbeitsabläufe an der richtigen Stelle stehen und voll nutzbar sind. Damit sind Abläufe innerhalb des Hauses im Blick, die mit den Kollegen abgesprochen und auf Tauglichkeit erprobt werden müssen. Eine Erfahrung aus anderen Häusern ist (die Moritzburg ist noch nicht so weit), dass sich sogar durch das Vorhandensein der Datenbank Arbeitsabläufe ändern, sogar effektiver und zeitsparender werden können, wenn man denn willens und in der Lage ist, diese auszuprobieren.

Mit der Übertragung von analog vorliegenden Informationen in die Datenbank wäre man schlecht beraten, wenn man einfach nur den bisherigen Erfassungsstand abschreibt. Es wäre ein ungewöhnlich gut geführtes Museum, dessen Erfassungsunterlagen immer auf dem neuesten, besten Stand sind und alle Angaben immer fehlerfrei sind. Die Realität dürfte in den meisten Häusern eine andere sein. Aus diesem Grund sollte man nicht nur die z. B. für die Online-Publikation zusätzlichen Informationen mit in die Datenbank aufnehmen, sondern auch die Ressourcen im Internet zur Erweiterung und Verbesserung der Informationsgrundlage zu den eigenen Werken nutzen bzw. auch – wenn nötig – die Bibliothek konsultieren. Klar: Befinden sich die analogen Erfassungsunterlagen in schlechtem Zustand und ist infolgedessen der Nachrecherchebedarf groß, können eine geringere Anzahl von Datensätzen erarbeitet werden als wenn auf guten Unterlagen aufgebaut werden kann. Gute Unterlagen können von geringer qualifiziertem Personal übertragen werden. Je mehr Informationen fehlen oder überarbeitet werden müssen, desto höher muss der Bildungsgrad des Personals sein.

Personal, insbesondere gutes Personal, ist sowieso Dreh- und Angelpunkt von allem: Wofür der eine zwei Monate benötigt, daran arbeitet ein anderer ein ganzes Jahr. Da die Digitalisierung eine Langzeitaufgabe ist, ist neben der ebenfalls sehr wichtigen Qualität der Arbeit auch die Arbeitsgeschwindigkeit des Personals extrem wichtig. Es lässt sich leicht ausrechnen, wohin man mit der Person, die innerhalb von zwei Monaten ein Werk bearbeiten kann, innerhalb von 10 Jahren kommt, und wohin mit der anderen.

Es mag einige überraschen, aber aus unserer Sicht ist der Arbeitsbereich der Digitalisierung ein neuer innerhalb des Museums, der – wenn man ihn professionell und kompetent betreibt und nicht nur Dinge irgendwo in eine Datenbank hineinschreibt, mit seiner Gemengelage aus Kompetenzen durchaus anspruchsvoll ist. In dieser Aussage liegen verschiedene Problemlagen versteckt, die die Kollegen in den Häusern sicherlich wiedererkennen werden, wenn sie hier kurz angerissen werden. Ältere Kollegen sind oft schwer für die Digitalisierung zu erwärmen. Der strukturierende Aufwand vor Beginn der eigentlichen Digitalisierung bzw. die Folgen, die die Einführung einer Datenbank hat, werden unterschätzt. Es kann kein oder zu wenig Personal eingestellt werden für diese zusätzliche Aufgabe. Das Personal hat nicht die notwendigen Kenntnisse. Es fehlt die Langfristigkeit.

Eines scheint aber sicher: Die Zukunft ist digital und deswegen ist ein Museum gut beraten, sich früher oder später auf den Weg zu machen und seine eigene Strategie dieser Gewissheit gegenüber zu entwickeln. Was auch klar ist: Es führen mehrere Wege zum Ziel und in jedem Haus gibt es unterschiedliche Bedürfnisse, Wünsche, Anforderungen. Deswegen gibt es kein für alle geltendes Rezept für die Digitalisierung und jedes Haus muss seinen Weg selbst suchen.

 

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