Ein Beitrag von Torsten Rüdinger, Leiter der Historischen Mühle Sanssouci, Potsdam.

In der DDR engagierten sich ab den 1970er Jahren Menschen für den Erhalt und die Erforschung von historischen Wind-, Wasser- und Motormühlen. Zu ihnen gehörte Bernd Maywald, der Anfang der 1980er Jahre das „Mühlenaktiv“ beim Kulturbund der DDR mitbegründete und einige Jahre leitete. In weit über 20jähriger Arbeit erstellte Maywald dokumentarische Fotoaufnahmen von Mühlen in der DDR. Teile seiner Sammlung befinden sich heute im Bestand der Historischen Mühle von Sanssouci: über 1.500 gerahmte und ungerahmte Diapositive der Größe 6 x 6 und s/w – Handabzüge aus den 1970er und 1980er Jahren zu Mühlen in der DDR, ein Diabestand, der auf erste deutsch-deutsche Kontakte zwischen Mühlenfreunden vor 1989/90 zurück geht sowie bisher noch unerschlossenes Schriftgut aus Maywalds leitender und koordinierender Arbeit beim Mühlenaktivs.

Zeitgeschichte der DDR

Demontage der Bockmühle in Potsdam Drewitz (ohne Datum)

Die Fotografien dokumentieren Zeitgeschichte der DDR. Sie zeigen oftmals Mühlen, die vor Jahrzehnten als Ort handwerklicher Tätigkeit aufgegeben wurden und verfielen, aber mittels örtlichen bürgerschaftlichen Engagements unter meist sehr widrigen Rahmenbedingungen erhalten werden konnten. Dies spiegelt sich in vielen Aufnahmen wider, die damit unikalen Charakter besitzen. Die Sammlung enthält aber auch zahlreiche Beispiele handwerklichen Arbeitens in kleinen, noch produzierenden Mühlen, in denen heute längst kein Getreide mehr verarbeitet wird.

Digitale Erschließung der Sammlung

Im Rahmen von zwei Projekten in den Jahren 2018 und 2019 erfolgte die Erschließung und insbesondere Digitalisierung der Teilbestände von gerahmten und ungerahmten 6×6 Diapositiven. Den Auftakt gab hier das Verbundprojekt Brandenburger Fotografinnen und Fotografen des Museumsverbandes Brandenburg. Das Ziel der Projekte war die Veröffentlichung der Digitalisate auf der Museumsplattform museum-digital und in der Deutschen Digitalen Bibliothek. Derzeit umfasst der in museum-digital veröffentlichte Bestand 110 Mühlenorte mit 530 Einzelabbildungen. In einem weiteren Projekt wird derzeit der Teilbestand von s/w-Handabzügen erschlossen.

Überregionale Forschungsarbeit

Die Digitalisierung der s/w-Fotos und Dias wird und wurde von Recherchearbeiten begleitet – beim Fotografen selber, in den Aufzeichnungen seiner Sammlung (Schriftgut) und im Mühlenstandortarchiv der Mühlenvereinigung. Da es sich bei den Bildwerken um Aufnahmen aus allen heutigen ostdeutschen Bundesländern handelt, ist für Recherchearbeiten die Kooperation mit anderen Landesmühlenverbänden bzw. Mühlenakteuren notwendig. Ziel für die s/w-Fotografie ist es, veröffentlichungsfähige Datensätze mit einem beschreibenden Text in museum-digital zu erstellen.

Perspektiven

Die Digitalisierung und digitale Präsentation der Sammlung „Mühlenfotografie Bernd Maywald“  soll in den nächsten Jahren kontinuierlich fortgeführt werden. Geplant ist u.a. ein Themenportal „Mühlen“ auf museum-digital, das auch mit flankierenden Sekundärinformationen wie Archivalien bestückt ist und das auch mit weiteren mühlenrelevanten Beständen erweitert wird – z. B. mit der „Sammlung Historisches Archiv Teil A. Wetzig, Eisengießerei und Maschinenfabrik für Mühlenbau“ des Deutschen Technikmuseums. Im Historischen Archiv des Deutschen Technikmuseums befindet sich außerdem ein bisher unerschlossener Bestand aus der Sammlung Maywald, der perspektivisch in einem Verbundprojekt mit der Mühlenvereinigung Brandenburg aufgearbeitet werden soll.

Der Blogbeitrag ist Teil der Reihe „Brandenburgische Museen digital“ und wird redaktionell vom Museumsverband des Landes Brandenburg e.V. betreut. www.museen-brandenburg.de/aktivitaeten/projekte/digitalisierung/

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